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Wissenschaftler – nicht nur am Fasching
Vom Sonntagskind zum Professor
Martin Loessner
War es Ihr Bubentraum, Forscher zu werden?
Selbstverständlich - schon als kleiner Junge habe ich mich am Fasching als Forscher verkleidet. Meine Mutter setzte mir einen Hut auf und drückte mir eine Botanisiertrommel mit diversem Pflanzenmaterial in die Hand. Leider stiess ich bei meinen Spielkameraden mit meinem Kostüm auf wenig Verständnis. Als ich dann studierte, wurde mein Berufswunsch immer deutlicher: Ich wollte eine Forscherlaufbahn an der Universität einschlagen. Die Industrie reizte mich schon damals nicht. Auch heute kann ich mir übrigens nicht vorstellen, unter den strengen Richtlinien der Privatwirtschaft arbeiten zu müssen. Um die eigene Kreativität voll entwickeln zu können, braucht es meiner Meinung nach ein universitäres Umfeld.
Wie kamen Sie zu Ihrem Forschungsgebiet?
Als Student bot sich mir die Möglichkeit, einen Master-Abschluss an einem führenden Institut für Lebensmittelmikrobiologie in Michigan zu erwerben. Damals lernte ich Professor James Jay kennen, der mich durch seine beeindruckende Persönlichkeit ziemlich prägte. Zu diesem Zeitpunkt steckte die Lebensmittelmikrobiologie im deutschsprachigen Raum noch mehr oder weniger in den Kinderschuhen und es gab wenig Möglichkeiten für eine Doktorandenarbeit auf diesem Gebiet. Schliesslich entschloss ich mich für ein Projekt an der Technischen Universität München in Freising. Ausschlaggebend war übrigens nicht das Forschungsthema, sondern die gute Stimmung, die diese Gruppe verbreitete. Im Nachhinein erwies sich mein Entschluss aber als richtig: An der TU München wurde der Grundstein gelegt für meine späteren Arbeiten mit Listeria und den Bakteriophagen.
Welche Ratschläge geben Sie jungen Leuten, die eine wissenschaftliche Karriere anstreben?
Eine glühende Begeisterung für die Forschung, ein starker Durchhaltewillen und hohes Mass an Selbstvertrauen sind wichtige Voraussetzungen für eine wissenschaftliche Laufbahn. Eine gewisse Risikobereitschaft ist ebenfalls notwendig – die Chancen, dass eine akademische Karriere gelingt sind nämlich nicht gerade gross. Gerade hier in Europa bestehen kaum Möglichkeiten und die besten Qualifikationen nützen herzlich wenig, wenn es keine vakante Professur gibt. Ich hatte Glück und war zur rechten Zeit am rechten Ort – ich bin eben ein Sonntagskind!
Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit am besten?
Die völlige Forschungsfreiheit! Entgegen oft gehörter landläufiger Meinung arbeiten wir nämlich nicht im Auftrag der Privatwirtschaft. Wir suchen aber den Kontakt zur Industrie, wenn wir interessante Forschungsergebnisse bereithaben, die sich unserer Meinung nach vermarkten lassen.
Trotz dieser Freiheit haben wir natürlich auch gewisse Verpflichtungen gegenüber dem Arbeitgeber und der Gesellschaft. Als Professor für Lebensmittelmikrobiologie muss - und will ich natürlich auch – einen Beitrag zur Lebensmittelsicherheit und zur Vorbeugung von Infektionskrankheiten leisten.
Gibt es Nahrungsmittel, die Sie aufgrund Ihrer Forschungsarbeit nicht mehr essen?
Nahrungsmittel, von denen bekannt ist, dass sie häufig Krankheitserreger enthalten, versuche ich zu meiden. Auf Reisen in südliche Länder halte ich mich wann immer möglich an die Regel "Boil it, cook it, peel it, or forget it“ – aber mehr aufgrund schlechter Erfahrungen!
War es Ihr Wunsch, an der ETH Zürich zu arbeiten oder ist es eher ein Zufall, dass Sie hier sind?
Ich habe mich für Zürich entschieden, weil sowohl das Arbeitsumfeld wie auch die technische Ausstattung an der ETH schlicht fantastisch sind. Kommt dazu, dass der Raum Zürich eine hohe Lebensqualität aufweist. Trotz anfänglicher Schwierigkeiten – vor allem sprachlicher Art – haben meine Familie und ich uns gut eingewöhnt.
Wie gestalten Sie Ihre Freizeit?
Ich versuche, möglichst viel Zeit mit meiner Familie zu verbringen - am liebsten in der freien Natur. Ich bin ein begeisterter Fischer und Radfahrer, unternehme aber auch häufig Wanderungen mit der Familie. Im Übrigen fotografiere ich gerne und ich interessiere mich auch für alte Autos.
Für ausführliche Informationen besuchen Sie bitte: http://www.mb.ilw.agrl.ethz.ch/
Interview: Dr. Petra Bättig-Frey
Editor: Dr. Barbara Baumann
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