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  Die grüngefärbten Zellwandbindenden Domänen (CBDs) lassen sich wie Antikörper zur Detektion und sogar zur Immobilisierung von Bakterien einsetzen.  

Auf die Idee mit den Phagenproteinen kam ich vor rund sieben Jahren. Ausschlaggebend waren meine Forschungsarbeiten mit Viren, die Listerien befallen. Genau genommen, Untersuchungen des Phagenproteins "Endolysin“. Dieses Protein besitzt die Fähigkeit, die Zellwand von Bakterien abzubauen und spielt darum bei der Freisetzung einer neuen Phagengeneration eine wichtige Rolle.

Die damaligen Untersuchungen des Endolysins führten zu einer unerwarteten Entdeckung: Ein bestimmter Unterteil dieses Proteins – die so genannte zellwandbindende Domäne oder CBD – heftet sich mit einer besonders hohen Spezifität an die Zellwand der Listerien. Zusätzliche Experimente zeigten, dass sich Listerien mit Hilfe der CBDs sogar einfangen liessen. Ich war begeistert: Die Phagenproteine liessen sich also wie Antikörper zur Detektion und sogar zur Immobilisierung von Bakterien einsetzen. Nur war ihre Herstellung bedeutend einfacher und billiger!

Sogleich liessen mein Arbeitskollege und ich die CBDs in Bezug auf eine breite Anwendung weltweit patentieren. Dies war leider alles andere als billig. Vor allem die Recherchen, die notwendig waren, um sicherzustellen, dass nicht schon irgendwo ein ähnliches Patent existierte, waren mit ziemlichem Aufwand verbunden. Am Schluss beliefen sich die Kosten auf einen fünfstelligen Betrag, den wir schweren Herzens aus unserer eigenen Tasche bezahlten.

Zu unserem Verdruss waren die Reaktionen der Industrievertreter, denen wir unser Patent schmackhaft machen wollten, eher ernüchternd. Bevor es uns gelang, einen Kooperationsvertrag abzuschliessen, war die einjährige Patentanmeldefrist darum bereits abgelaufen. Der eigentliche Durchbruch gelang uns erst in der Verlängerungsphase. Nach langen Verhandlungen konnten wir im Jahr 2002 eine grosse internationale Firma, die an der praktischen Umsetzung unserer Entwicklung interessiert war, als Partner gewinnen. Die Firma übernahm das Patent und bezahlte, neben den Anlaufkosten, auch einen kleinen Gewinnbeitrag.

Mit dem Auftrag, unsere CBDs zu einem marktreifen Produkt zu entwickeln, übertrug die Firma dann das Patent auf ein ausgewähltes Start-up Unternehmen. Dieses investierte mehrere Millionen Euro in Machbarkeitsstudien, Markt Assessments, Konsulenten und natürlich auch in die Weiterentwicklung der CBDs. Selbstverständlich standen wir dem Unternehmen fortwährend beratend zur Seite. Mit grosser Spannung verfolgten wir die Herstellung im grossen Maßstab und stellten erleichtert fest, dass die Proteine trotz Massenproduktion ihre Fähigkeit, Listerien zur detektieren, nicht verloren. Nun sollen die CBDs noch Ende dieses Jahres auf den Markt kommen. Wir rechnen damit, dass wir sowohl in der Lebensmittelindustrie als auch im medizinisch-diagnostischen Sektor auf Abnehmer stossen.

Miterleben zu dürfen, wie die eigene Idee in die Praxis umgesetzt wird, hat mich unglaublich motiviert, auf diesem Gebiet weiter zu forschen. Mein nächstes Ziel wird es sein, die CBDs so zu entwickeln, dass damit auch andere pathogene Mikroorganismen routinemässig detektiert werden können. Trotz der Bemühungen um umfangreiche Hygienemassnahmen sind Lebensmittelvergiftungen leider noch immer alltägliche Krankheiten. Standardtests, mit denen einfach, schnell und erst noch sehr spezifisch Krankheitserreger nachgewiesen werden können, haben darum viel versprechende Zukunftsaussichten.

Links zur kommerziellen Anwendung der Endolysine und zellwandbindenden Domänen:
Autorin: Dr. Petra Bättig-Frey
Editorin: Dr. Barbara Baumann
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